Reizmagen und Reizdarm
mit kohlenhydratarmer Kost behandeln

Was ist das Reizdarmsyndrom?

Menschen mit einem sogenannten Reizdarm sind von vielfältigen, diffusen Magen-Darm-Beschwerden betroffen, die von Ärzten häufig als psychosomatische Beschwerden aufgefasst werden. Viele Betroffene leiden an diversen Nahrungsmittelunverträglichkeiten, aufgeblähtem Bauch nach dem Essen, Übelkeit, saurem Aufstoßen, Durchfall und/oder Verstopfung, sehr schmerzhaften Blähungen, Sodbrennen, Speiseröhrenkrämpfen mit oder ohne Brustschmerzen, schleimigem Stuhl oder andauernder nicht näher zu bestimmender Fläue und Unwohlsein.

Die Symptome können sich schleichend entwickeln oder auch schlagartig ohne erkennbaren Grund auftreten. Es können sich beschwerdefreie Zeiten mit richtiggehenden „Schüben“ abwechseln oder latent vorhandene Beschwerden in verschiedenen Ausprägungen bestehen. 

Mögliche Ursache des Reizdarmsyndroms: Kohlenhydratverwertungsstörung

Häufig werden die Symptome, die auftreten, einzeln symptomatisch getrennt voneinander behandelt. Gegen die Blähungen erhält man Lefax, gegen die Übelkeit Vomex oder Iberogast, gegen das Sodbrennen Magensäureblocker, außerdem soll man sich magenschonend ernähren, Fett, Gewürze und Alkohol meiden und möglichst reizarm essen. Dies alles mag die Symptome auch einige Zeit in Schach halten, es löst jedoch nicht das ursprüngliche Problem, denn es hat in der Regel einen Grund, warum unser Körper vermeintlich plötzlich so zahlreiche Symptome entwickelt.

In seinem Buch „Leben ohne Brot“ erklärt Dr. Wolfgang Lutz, ein Verfechter der kohlenhydratarmen Ernährung, dessen Erkenntnisse auch heute noch große Relevanz und Aktualität haben, den Zusammenhang zwischen kohlenhydratreicher Ernährung und dem als Reizdarm bezeichneten Syndrom.

Seiner Erfahrung nach können Menschen mit Reizdarm Kohlenhydrate bzw. die aus ihnen gebildete Glucose nicht richtig verwerten, was (vereinfacht gesagt) die Betazellen im Inselorgan der Bauchspeicheldrüse zu sehr reizt. Diese übermäßige Reizung greift wiederum auf andere Zellen über und setzt so eine Art Kettenreaktion in Gang.

Als Reaktion auf diese Reizung werden Stoffe wie Insulin, Glukagon, Gastrin, Sekretin und Serotonin nicht mehr im richtigen Verhältnis produziert. Je nachdem, welcher Stoff in welcher Menge produziert wird, hat der Reizdarmpatient andere Beschwerden, die im Vordergrund seiner Symptomatik stehen. Wenn beispielsweise bestimmte Peptidhormone im Übermaß produziert werden kann dies zu Magensaftmangel, Magendarmentzündungen und Durchfällen führen. Diese Reaktion bezeichnet Dr. Lutz als „Pankreasgang-Syndrom“.
Er schlussfolgert, dass die über die Nahrung verzehrten Kohlenhydrate für dieses Syndrom verantwortlich sind. Ein weiterer Punkt ist, dass die Widerstandsfähigkeit der Magenschleimhaut durch Kohlenhydrate herabgesetzt wird. Dies kann unter bestimmten Umständen zu Geschwüren führen.

Außerdem haben Studien ergeben, dass Reizdarmpatienten eine gestörte Darmmotilität aufweisen. Bereits der Magen möchte sich der kohlenhydratreichen Kost schnell entledigen, das heißt die Nahrungsbestandteile werden unzureichend zersetzt und verarbeitet und so an den Dünndarm „weitergereicht“. Die alkalischen Säfte der Bauchspeicheldrüse und Leber können den sauren Mageninhalt deshalb nur unzureichend neutralisieren. Der Dünndarm übergibt also den zu sauren, nicht ausreichend verdauten Inhalt weiter an den Dickdarm, der die verdaute Nahrung eigentlich nur noch eindicken und schließlich als gut geformten Stuhl wieder ausscheiden müsste. Die Nahrung ist aber nicht ausreichend vorverdaut und damit nicht gut verarbeitet, weshalb sie nicht wie vorgesehen eingedickt werden kann – es kommt zu Durchfall.

Dies waren nur zwei Beispiele, wie es durch ein Unvermögen des Magendarmsystems, Kohlenhydrate ausreichend zu verarbeiten, zu Reizdarmsymptomen kommen kann, denn die übliche, vorgesehene Verdauungskette ist gestört.

Chronischer Reizdarm und seine Folgen

Wenn eine Kohlenhydratunverträglichkeit die Ursache ist und dies über lange Zeit unerkannt bleibt, was leider meist die Regel ist, wird die Erkrankung zunehmend chronisch und desto länger dauert es auch, bis sich die Erfolge einer Ernährungsumstellung auf kohlenhydratarme Kost einstellen. Die Drüsensysteme, Hormone und das ganze Magen-Darm-System müssen erst ausreichend zur Ruhe kommen und sich neu justieren, weshalb man einer kohlenhydratarmen Ernährung in jedem Fall mindestens 2 Monate Zeit geben sollte, bevor man ihre Wirksamkeit beurteilt. 

Morbus Chron und Colitis Ulcerosa

Auch Morbus Chron und Colitis Ulcerosa können sich aus einem chronischen Reizdarm entwickeln. So führt ein andauernd gereiztes, fehlreguliertes Magen-Darm-System zu Schleimhautentzündungen und der Fehlbesiedlung und Vermehrung von Bakterien, was zu neuen Reizungen führt, die auf Dauer chronisch werden und sich zu Autoimmunerkrankungen entwickeln können, die mit Cortison behandelt werden und nach heutigem Forschungsstand auch in Darmkrebs enden können.

Gerade bei chronischen Erkrankungen wie Morbus Chron und Colitis Ulcerosa benötigen die Patienten auch nach der Umstellung auf kohlenhydratarme Ernährung noch längere Zeit Geduld. Da das Cortison das Immunsystem dämpfte, muss dieses sich auch zunächst erst wieder erholen.

Um einen Eindruck der Zeitspanne zu bekommen, die für Regeneration nötig ist: Laut Dr. Wolfgang Lutz benötigt ein Mensch mit Morbus Chron im Schnitt etwa 18 Monate mit kohlenhydratarmer Ernährung, bis er vollständig behandelt und „geheilt“ ist. Natürlich muss diese Ernährungsweise anschließend fortgeführt werden.

Colitis Ulcerosa Patienten tun sich hier manchmal etwas schwerer und brauchen länger, möglicherweise bekommen Sie zu Beginn der Ernährungsumstellung auch einen Fieberschub. Die Ernährungsumstellung sollte immer unter ärztlicher Aufsicht und Rücksprache erfolgen! Kohlenhydratarme Ernährung hat jedoch auch hier, je nach Schwere und Dauer der Erkrankung, ihre Grenzen. Wenn die Erkrankung schon zu lange anhält kann hier möglicherweise nichts mehr oder nur noch wenig erreicht werden, weshalb so früh wie möglich mit einer kohlenhydratarmen Ernährung begonnen werden sollte.

Divertikulose

Divertikel sind kleine „Schleimhautsäcke“, die entstehen, wenn die Lücken zwischen den Muskelschichten der Darmwand zu groß sind (zum Beispiel aufgrund geschwächter Darmmuskulatur), so dass sich Darmschleimhaut unter das Bauchfell hindurchzwingen kann, die dann dort stecken bleibt. Im Inneren der Divertikel sind Stuhl oder nicht verdaute Essensreste. Vor allem körnerreiche Ernährung ist hier problematisch, da die Körner in die Divertikel rutschen können und dort steckenbleiben, wo sie zu Entzündungen führen können. Diese Entzündungen wiederum führen dann zu Beschwerden wie starkem Druckgefühl und Schmerzen.

Auch hier kann kohlenhydratarme Ernährung nachgewiesenermaßen der Schlüssel zur Symptomfreiheit sein. Wichtig sind hier außerdem ausreichendes Kauen, also eine wirklich intensive, fast schon übertriebene Vorverdauung bereits im Mund, und, wie bereits beschrieben, das Weglassen von Speisen, die lose Körner und Samen etc. enthalten. So wird die Darmmuskulatur gekräftigt und kann sich möglicherweise wieder normalisieren.

Der Reizdarmpatient und eine Ernährungsumstellung zu kohlenhydratarmer Kost

Reizdarmpatienten können, wenn sie mit kohlenhydratarmer Ernährung beginnen, zunächst an Verstopfung leiden, da der starke Darmentleerungsreiz nicht mehr auftritt. Der Körper muss sich nun wieder auf richtige Verdauung einstellen, der Magen muss die Nahrung länger halten, der Dünndarm ebenso etc. Diese Umstellung dauert einige Zeit. Auch wer chronischen Durchfall hatte, muss damit rechnen, dass der Darm zunächst nicht mehr „gewöhnt“ ist, den Nahrungsbrei entsprechend zu verarbeiten. Manchmal wechseln sich deshalb auch Durchfall und Verstopfung zu Beginn der Ernährungsumstellung ab. Hier kann bei Verstopfung mit Einläufen begegnet werden, Abführmittel dagegen würden den Darm erneut irritieren. Bis dieser ausgeheilt ist und wieder normalen Stuhl produziert, muss man etwas Geduld haben.

Laut Dr. Lutz sind die ersten Symptome, die nach einer Ernährungsumstellung verschwinden, lästiges Sodbrennen, saures Aufstoßen und Hitzewallungen nach dem Essen. Auch berichtet er, dass sich lange verfestigte Nährstoffmängel, die durch das stoffwechselbedingte Ungleichgewicht und die unzureichende Fähigkeit des kranken Darmes, Nährstoffe aus der Nahrung zu speichern, entstanden sind, von selbst wieder ausgleichen. Eisen beispielsweise reguliert sich laut Dr. Lutz wohl häufig mit als erstes. Auch führen natürlich dauerhaft bestehende Nährstoffmängel im Körper zu weiteren Reaktionen und Symptomen. Häufig können diese auch durch Substitution oder Hochdosistherapien nicht ausgeglichen werden, da der Darm die zugeführten Nahrungsergänzungen aufgrund seiner Reizung ungenutzt wieder ausscheidet. So entsteht ein Teufelskreis, der an dieser Stelle nur durch kohlenhydratarme Ernährung wieder durchbrochen werden kann.

Viele Reizdarmpatienten leiden auch ohne es zu wissen an einer Glutenunverträglichkeit (nicht zu verwechseln mit der Autoimmunerkrankung Zöliakie), was bei kohlenhydratarmer Ernährung automatisch mitberücksichtigt wird, da dort in der Regel keine Getreide verzehrt werden.

Was müssen Sie bei der kohlenhydratarmen Ernährung als Reizdarmbetroffener beachten?

Wenn Sie an Nahrungsmittelunverträglichkeiten leiden, müssen Sie diese Nahrungsmittel natürlich auch im Rahmen einer kohlenhydratarmen Ernährung meiden. Nahrungsmittelunverträglichkeiten können jedoch auch reine Symptome eines Reizdarms sein und so nach und nach verschwinden, wenn die kohlenhydratarme Ernährungsweise konsequent und dauerhaft eingehalten wird. Hier können Sie, wenn Sie sich deutlich besser fühlen, vorsichtig testen, ob Sie ein bestimmtes Lebensmittel wieder vertragen. Gehen Sie hier sehr behutsam vor und testen Sie nur einen neuen Stoff und warten Sie dann einige Tage ab, bevor Sie ein neues Experiment wagen.

Viele Reizdarmpatienten haben außerdem Probleme mit der Verdauung von fettigen Mahlzeiten. Achten Sie daher anfangs gut darauf, wie viel Fett Sie vertragen und übertreiben Sie es nicht. Je mehr sich Ihr Darm erholt, desto mehr Fett werden Sie auch vertragen können.

Vermeiden Sie möglichst Zuckerersatzstoffe. Diese werden von Reizdarmpatienten häufig nicht gut vertragen. Sie können starke Durchfälle, Blähungen und Krämpfe verursachen.

Häufige Nahrungsmittelunverträglichkeiten bei Reizdarm sind:

  • Lactose
  • Milcheiweiß (Casein)
  • Fructose
  • Histamin
  • Gluten
  • Zuckeralkohole (Sorbit, Maltit, Xylit usw.)
  • Außerdem bestehen häufig Unverträglichkeiten gegen einzelne Lebensmittel wie Eier, Nüsse, Soja, Kohl, Zwiebeln, Lauch, Paprika, Erdbeeren, Mandeln, Erdnüsse und viele weitere.
 
Wenn sich Ihr Reizdarm dank der kohlenhydratarmen Ernährung deutlich bessert oder ganz verschwindet, sollten Sie diese Ernährung bestenfalls lebenslang beibehalten

Hilfreiche Stützen während der Ernährungsumstellung:

  • Bei Durchfall: Heilerde, Kohletabletten
  • Bei Verstopfung: Flohsamen, Flohsamenschalen, Leinsamen, Leinöl, viel Trinken, hochdosiertes Magnesium
  • Bei Krämpfen und Schmerzen: Wärmflasche, Kamillentee, krampflösende Medikamente
  • Bei Übelkeit: Ingwertee, Kräutertees, pflanzliche Tropfen, Medikamente gegen Übelkeit
  • Bei Sodbrennen: Bullrich-Salz, ein Glas Milch, Mandeln, Kamillentee

Helicobacter pylori als weitere Ursache für Magen-Darm-Beschwerden

Wenn Sie an einem Reizdarmsyndrom, Geschwüren, Sodbrennen, also unspezifischen Magen-Darm-Beschwerden leiden, sollten Sie außerdem einen Test auf Helicobacter pylori machen lassen. Dies sind kleine Bakterien, die auch im sauren Milieu des Magens überleben, die Magenschleimhaut infizieren können und dort Geschwüre und chronische Magenschleimhautentzündungen und bei Nicht-Behandlung sogar Magenkrebs auslösen können. Sie produzieren einen Stoff, der die Abwehr des Menschen blockiert, weshalb der Helicobacter sich immer weiter ausbreiten kann.

Häufig infizieren sich schon Kinder mit Helicobacter pylori, erst im Erwachsenenalter aber treten schließlich Beschwerden auf. Laut Expertenschätzungen ist etwa jeder vierte Erwachsene von einer Helicobacter-Infektion betroffen, jedoch kann diese auch symptomfrei verlaufen.

Die Behandlung gehört in die Hände eines erfahrenen Arztes. Häufig wird mit Antibiotika und Säureblockern therapiert. Doch auch ernährungstechnisch können Sie etwas tun:
  • Roter Koreanischer Ginseng-Extrakt dämmt die Vermehrung des Helicobacter ein
  • Ingwertee aus frischem Ingwer
  • Probiotika aus Milchprodukten hemmen die Vermehrung
  • Knoblauch generell kann Verdauungsbeschwerden lindern
  • Das in Brokkoli enthaltene Sulforaphan kann Helicobacter abtöten
  • Zitrusfrüchte und rote Zwiebeln wirken Magenkrebs entgegen und beugen vor

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