Viel Fett, wenig Kohlenhydrate
Weniger Entzündungen dank Ketose

Immer wieder steht sie in der Kritik, die ketogene Diät. Als Sonderform der kohlenhydratarmen Ernährung fristet sie in der öffentlichen Wahrnehmung ein Dasein als Sonderling, angeblich durchgeführt von Sportfanatikern oder Menschen mit Essstörung, in jedem Fall voller Entbehrungen und einem Leben im sozialen Abseits. 

Doch diese extrem kohlenhydratreduzierte und fettreiche Ernährung hat gesundheitlich viele Vorteile, wie Forscher nun immer häufiger herausfinden. Diese wollen sich nun auch Mediziner zur Entwicklung neuer Medikamente zu nutze machen.

Was ist ketogene Ernährung?

Low Carb kennen die meisten – dies ist eine Ernährungsweise, bei der die Kohlenhydrate reduziert sind. Reis, Kartoffeln, Weizenmehl oder Süßigkeiten sind hier tabu. Aber Low Carb ist kein fest definierter, geschützter Begriff. Das bedeutet, dass theoretisch jeder alles als „Low Carb“ bezeichnen kann – denn wer hat schon die Entscheidungshoheit, wann etwas kohlenhydratarm ist und wann nicht?

Hier müssen Anwender einer Low Carb Ernährung also gut aufpassen, wenn sie Rezepte nachkochen. Viele enthalten stärkehaltige Bohnen, Süßkartoffeln oder Hookaido-Kürbis – alles nicht gerade kohlenhydratarme Gemüsesorten und je nachdem, was man mit dieser Ernährung erreichen möchte, können Erfolge ausbleiben, wenn zu viele Kohlenhydrate verzehrt werden.

Anders verhält es sich mit dem Begriff „ketogen“. Wer sich ketogen ernährt, befindet sich in „Ketose“ – dem sogenannten Fettstoffwechsel. Dies bedeutet, der Körper gewinnt seine Hauptenergie nun nicht mehr aus Glucose (also Zucker bzw. Kohlenhydraten) sondern aus Fett. Wer fastet befindet sich in diesem Stoffwechsel, Babys, die gestillt werden, befinden sich in diesem Stoffwechsel – aber all die westlichen Durchschnittsesser sind dank Pasta, Brot, Porridge oder belegten Brötchen hauptsächlich im Kohlenhydratstoffwechsel. Unserem Körper ist es eigentlich problemlos möglich, sowohl Energie aus Kohlenhydraten als auch aus Fetten zu gewinnen – also beide Stoffwechsel zu nutzen. Viele von uns haben dies durch unsere heutige Ernährung nur weitestgehend verlernt oder vergessen.

Wer hauptsächlich im Fettstoffwechsel leben möchte oder muss, der muss die Zufuhr an Kohlenhydraten über die Nahrung sehr stark einschränken und den Fettanteil dafür sehr stark erhöhen. Nun bildet der Körper aus Fettsäuren sogenannte „Ketonkörper“, daher auch der Name "Ketose". Sie werden in der Leber gebildet und versorgen den Körper stabiler und langanhaltender mit Energie als Glucose – weshalb beispielsweise auch Migräniker und Epileptiker von dieser Ernährungsform profitieren können.

Alle Vorteile einer fettreichen, kohlenhydratarmen Ernährung finden Sie hier.

Weniger Entzündungen im Gehirn durch Ketose – im Tierversuch

Dass Zucker auf indirektem oder direktem Weg Entzündungsreaktionen im menschlichen Körper verursachen kann, zeichnet sich mittlerweile immer mehr ab. Nun zeigte sich im Tierversuch an Ratten, dass ein ketogener Stoffwechsel bereits vorliegende Entzündungen verringern kann.

Die Forscher wollten aufgrund positiver Wirkungen der ketogenen Ernährung auf Epilepsie und andere neurologische Erkrankungen herausfinden, wie fettreiche, kohlenhydratarme Ernährung hier wirkt. Laut aerzteblatt.de vermuten die Forscher nun, dass durch Ketose die Zellhomöostase stabilisiert werden könne und die Schaffung eines antientzündlichen Milieus eine Rolle spielen kann. Einfach gesagt: Das Gleichgewicht innerhalb der Zellen wird aufrecht erhalten und Entzündungen das Leben schwerer gemacht.

Die Forscher sorgten dafür, dass die Ratten Entzündungen im Körper und Gehirn entwickelten. Dies erreichten sie, indem sie den Ratten Mehrfachzucker mittels Injektionen spritzten. Anschließend fütterten sie ihnen einen bestimmten Stoff – 2-Deoxyglucose. 
Dieser simulierte einen ketogenen Zustand, also so, als wenn die Ratten sich sehr fettreich und kohlenhydratarm ernähren würden.
Das Ergebnis: Die Entzündungen gingen zurück!

Die Forscher möchten diese Erkenntnisse nutzen um möglicherweise ein Medikament entwickeln zu können, das bei Menschen eingesetzt werden kann, die zu schwach oder krank sind, um sich ketogen zu ernähren, vom ketogenen, entzündungshemmenden Zustand aber eindeutig profitieren würden.
Diese Studie legt nahe: Wer chronische Entzündungen im Körper hat, kann von ketogener Ernährung auch in dieser Beziehung profitieren. Dass dies z. B. bei chronischen Darmentzündungen auch beim Menschen funktioniert, stellte bereits Dr. Wolfgang Lutz in seinen zahlreichen Untersuchungen fest.

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